PLUS: Versorgung von Suchbetroffenen mit Hepatitis C
Sicherer Hafen
NEUES AUS DEN PLUS-STÄDTENINTERVIEW MIT PROF. DR. WÖRNS

Versorgung von Suchterkrankten mit Hepatitis C: Kooperationen und niedrigschwellige Angebote.

Für die Versorgung von Suchterkrankten mit Hepatitis C sind eine übergreifende Vernetzung und niedrigschwellige Angebote im Bereich der HCV-Therapie besonders wichtig.

Prof. Dr. Marcus-Alexander Wörns berichtet im Interview, wie in Mainz im Rahmen des PLUS-Projekts Versorgungshürden abgebaut wurden.

Versorgung von Suchterkrankten mit Hepatitis C: Kooperationen und niedrigschwellige Angebote

Die Elimination von Hepatitis C in Deutschland voranzutreiben, ist eines der Ziele des Aktionsbündnisses „Infection.Sucht.Versorgung“. Im Mittelpunkt steht die Verbesserung der Versorgungssituation und Lebensqualität von Suchterkrankten. Zu diesem Thema veranstaltete das Aktionsbündnis ein digitales Live-Event#: Expert*innen diskutierten disziplinübergreifend, wie ein Gesamtkonzept für Menschen mit Suchterkrankungen aussehen und realisiert werden kann. An der Veranstaltung nahmen Vertreter*innen aus Politik und Verbänden, Expert*innen aus der Suchtmedizin und Hepatitis-C-Behandlung sowie Apotheken und Drogenberatungsstellen teil. Das Fazit der Diskussionen: Wichtig sind vor allem die sektorenübergreifende Vernetzung zwischen den Akteur*innen und niedrigschwellige Angebote im Bereich der HCV-Therapie. Ein erfolgreiches Beispiel zeigt die PLUS-Gesundheitsinitiative.

Um Hepatitis C besiegen zu können, braucht es die Anstrengung von Vielen

Bei mehr als 60 Prozent der Neuinfektionen mit bekanntem Übertragungsweg ist eine Hepatitis-C-Infektion auf injizierenden Drogenkonsum zurückzuführen.1 Doch gerade Menschen mit Suchterkrankung sind oft schwer erreichbar für Diagnose und Behandlung.2 Und selbst nach einer Diagnose gehen noch immer viele Patient*innen für eine Therapie verloren, dabei ist Hepatitis C heute in nahezu allen Fällen schnell und gut verträglich heilbar.2 Umso wichtiger wäre es, ihnen den Zugang zu einer Therapie zu vereinfachen.

Patientenzentrierte Unterstützung: Die PLUS-Gesundheitsinitiative Hepatitis C

„Im Jahr 2021 sind wir noch weit entfernt vom Ziel einer Elimination3,4 der Hepatitis C und müssen mehr Patient*innen den Zugang zu einer Behandlung ermöglichen“, mahnte auch Professor Dr. Marcus-Alexander Wörns, Klinikdirektor der Klinik für Gastroenterologie, Hämatologie und internistische Onkologie und Endokrinologie, Klinikum Dortmund. Einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Situation könnten Mikroeliminationsprojekte leisten. Die PLUS-Gesundheitsinitiative (www.hcvversorgungplus.de) sei hierfür ein Beispiel. Letztere wurde im Jahr 2014 vom Caritasverband für Stuttgart e.V. und der Deutschen Leberhilfe e.V. gemeinsam mit dem Unternehmen AbbVie ins Leben gerufen. Die PLUS-Initiative fokussiert sich auf Patientengruppen mit erhöhter HCV-Prävalenz. Hier soll die Versorgung mit dem Ansatz der Mikroelimination nachhaltig verbessert werden. Dabei geht es beispielsweise um niedrigschwellige Tests und Aufklärungsangebote. Auch der gegenseitige Dialog und die Vernetzung lokaler Akteur*innen stehen im Fokus. Die Maßnahmen reichen von Kompetenztrainings und Informationsveranstaltungen rund um das Thema Hepatitis C bis hin zu Arbeitsangeboten für Betroffene. Dass sich Versorgungshürden für Risikogruppen mit Hilfe funktionierender Kooperationen und niedrigschwelliger Angebote tatsächlich erfolgreich abbauen lassen, zeigt das Beispiel der PLUS-Konzeptstadt Mainz – lesen Sie dazu das Interview mit Professor Dr. Marcus-Alexander Wörns. Professor Wörns war vor seiner aktuellen Tätigkeit in Dortmund Leitender Oberarzt an der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik/Cirrhose Centrum Mainz (CCM) des Universitätsklinikums Mainz. In dieser Funktion hat er maßgeblich das PLUS-Projekt Mainz aufgebaut.

Interview mit Professor Marcus-Alexander Wörns

Die PLUS-Gesundheitsinitiative hat das Ziel, Menschen mit Hepatitis C aus Risikogruppen zu erreichen und deren regionale Gesundheitsversorgung nachhaltig zu verbessern. Was macht die Initiative aus Ihrer Sicht aus?

Prof. Wörns: Das Entscheidende bei der PLUS-Initiative ist meiner Meinung nach der ganzheitliche Aspekt. Es geht nicht nur um eine gesundheitliche, sondern auch um eine psychosoziale Versorgungsstruktur für Suchtkranke und HCV-Infizierte. Die Basis ist eine funktionierende interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Ziel, niedrigschwellige Angebote zu ermöglichen – nicht nur im Bereich der Hepatitis-C-Diagnostik und -Therapie, sondern auch in einer Vielzahl anderer Lebensbereiche wie Wohnen, Arbeit, Freizeit, Arztstrukturen, Ernährung oder auch im Bereich des allgemeinen Gesundheitswissens.

Um welche Risikogruppen geht es bei PLUS insbesondere und was sind aus Ihrer Sicht die größten Hürden in Bezug auf Diagnostik und Therapie?

Prof. Wörns: Die Haupt-Zielgruppen des PLUS-Projekts sind Menschen mit aktivem Drogenkonsum oder/und einer Substitutionstherapie. Ein weiterer Bereich ist der Justizvollzug. Es sollen aber auch andere Gruppen angesprochen werden, z. B. Prostituierte oder Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben. Die Angst der Menschen vor Stigmatisierung und die Anbindung an den Behandler, die sogenannte Linkage-to-Care, stellen die wesentlichen Hürden für eine Diagnostik und Therapie dar.

Mainz ist PLUS-Konzeptstadt. Können Sie beschreiben, was Sie in diesem Rahmen umgesetzt haben?

Prof. Wörns: Wir haben durch die sehr enge Kooperation ein niedrigschwelliges Angebot im Bereich der HCV-Therapie für alle behandlungswilligen Substitutions-Patient*innen etablieren können. Die Heilungsraten, die wir sehen, sind dabei absolut vergleichbar mit den Zahlen, die aus den Studien bekannt sind.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Aspekte, um Angebote niedrigschwellig zu halten und Klient*innen zur aktiven Teilnahme zu motivieren?

Prof. Wörns: Ganz entscheidend ist, dass die Betroffenen definierte und „gewidmete“ Ansprechpartner*innen haben. Weitere Erfolgsfaktoren sind eine funktionierende Kooperation, die kurzfristige Terminvergabe, ein möglichst kurzer Aufenthalt im Klinikum mit wenigen Kontakten und schließlich auch die Option, die HCV-Therapie im gewohnten Setting der Substitutionstherapie durchführen zu können.

Das Addendum zur DGVS-Leitlinie aus November 2020 empfiehlt, bei Erstdiagnose einer HCV-Infektion mit typischer Konstellation einer chronischen Infektion die antivirale Therapie umgehend zu beginnen. Wie gehen Sie bei Ihren eigenen Patienten und Patientinnen vor?

Prof. Wörns: Zunächst ist es für mich wichtig, die typische Konstellation einer chronischen HCV-Infektion nochmal darzustellen, d. h. das Fehlen einer klinischen und laborchemischen akuten Hepatitis. Für die vergangenen 6 Monate gilt, dass die Anamnese hinsichtlich potenzieller Infektionsmöglichkeiten leer sein und es laborchemisch keine Hinweise auf eine Serokonversion geben sollte. Sind diese Punkte erfüllt, kann entsprechend der aktuellen Leitlinie umgehend mit einer Therapie begonnen werden. So handhaben wir es auch bei nahezu allen Patient*innen.

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie: Gab es hier Änderungen in Ihrem Konzept, um den Zugang zu einer HCV-Therapie für Betroffene noch weiter zu vereinfachen?

Prof. Wörns: Tatsächlich hat sich hier etwas verändert. Die modernen pangenotypischen Regime lassen es heutzutage zu, unter einer Optimierung der Medikamenten- und Rezeptvergabe einen „One-Stop-Shop“ zu etablieren, d. h. sowohl die Sichtung der Klient*innen als auch der Therapiestart finden in nur einem Kontakt statt. Die weitere Steuerung der Therapie erfolgt dann auf digitalem Weg, ohne weiteren Patient*innenkontakt im Klinikum. Der Rest kann vor Ort in der Substitutionseinrichtung erfolgen.

Künftig haben Versicherte ab 35 Jahren einmalig den Anspruch, sich auf Hepatitis C als Bestandteil der Allgemeinen Gesundheitsuntersuchung (ehemals: Check-up 35) testen zu lassen. Was sollte getan werden, diese Möglichkeit auch breit angenommen wird?

Prof. Wörns: Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass die Möglichkeit zur Testung immer wieder kommuniziert wird. Außerdem muss die Testung entstigmatisiert werden. Hierfür sollten Übertragungsmöglichkeiten auch abseits der Tabu-Themen „intravenöser Drogenkonsum“ oder „sexuelle Kontakte“ aufgezeigt werden, um eine breite Akzeptanz für die Testmöglichkeit in der Allgemeinbevölkerung zu schaffen.

Ziel der WHO und auch der Bundesregierung ist es, Hepatitis C bis zum Jahr 2030 zu eliminieren. Welches Handwerkszeug fehlt uns hierfür noch in Deutschland?

Prof. Wörns: Die Einführung des Screenings im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung ist für mich ein ganz wichtiger Schritt. Unabhängig davon sollte in den bekannten Risikokollektiven mehr und vor allem regelmäßig getestet werden. Wenn schließlich die Diagnose steht, muss auch zügig die Therapie eingeleitet werden. Für diesen Linkage-to-Care, d. h. die Verknüpfung zwischen positiver Diagnose und Therapie, besteht allerdings noch dringender Verbesserungsbedarf. Ansonsten sind aus meiner Sicht alle Handwerkszeuge in Deutschland vorhanden. Es fehlt nur in einigen Bereichen an der entschlossenen Umsetzung. Hier leistet die PLUS-Initiative einen ganz wichtigen Beitrag.

1 Zimmerman, R, et al. (2020) Robert-Koch-Institut (RKI). Epidemiologisches Bulletin Nr. 30/31, 23. Juli 2020; 18-31.

2 Sarrazin C et al. (2020). Z Gastroenterol 58: 1107-1131.

3 World Health Organization (2017). Global Hepatitis Report.

4 Bundesministerium für Gesundheit, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2016). BIS 2030 – Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen.

NEUES AUS DEN PLUS-STÄDTENMENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND UND HEPATITIS C

Elimination von Hepatitis C vorantreiben:
Erster Runder Tisch zu Hepatitis C bei Menschen mit Migrationshintergrund in Wiesbaden

Neben Menschen mit Suchterkrankungen haben auch Menschen mit Migrationshintergrund aus Regionen mit erhöhter Hepatitis-C-Prävalenz ein erhöhtes Risiko für eine Hepatitis-C-Erkrankung.1 Häufig fehlt es aber an zielgruppengerechten Zugangswegen und Informationen zu Versorgungsangeboten.

Wie die Aufklärungsarbeit rund um Hepatitis C in diesem Bereich verbessert werden kann, war das Thema des ersten virtuellen Runden Tisches zu Hepatitis C bei Menschen mit Migrationshintergrund im Rahmen der PLUS-Gesundheitsinitiative in Wiesbaden.

Lesen Sie hier mehr.

1 Zimmerman, R, et al. (2020) Robert-Koch-Institut (RKI). Epidemiologisches Bulletin Nr. 30/31, 23. Juli 2020; 22-25.

Bochumer Erklärung

 

Experten definieren folgende sechs Forderungen an die Politik, um eine Elimination von Hepatitis C bis 2030 auch im Suchtumfeld realisieren zu können:

  1. Deutschland braucht ein umfassendes Hepatitis-C-Screening
  2. Hepatitis-C-Antikörpertests müssen wieder budgetneutral werden
  3. Stärkung präventiver Maßnahmen gegen „Needle-Sharing“
  4. Konzertierte Maßnahmen gegen Hepatitis C in Haft
  5. Bessere Maßnahmen für eine nachhaltige Substitution
  6. Deutschland braucht eine Informationskampagne zur Aufklärung über Hepatitis C

Möchten Sie mehr lesen? Hier finden Sie das politische Eckpunktepapier:

Einen Video-Zusammenschnitt der Diskussion finden Sie im Informationsbereich.

Die PLUS-Initiative
auf einen Blick

Idee und Aufbau

Der Aufbau eines regionalen PLUS-Projektes auf einen Blick

Menschen mit (ehemaligem) Drogengebrauch haben ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Hepatitis-C-Virus zu infizieren oder dieses bereits in sich zu tragen.

Gleichzeitig führen die Lebens- und Versorgungsituationen von Suchterkrankten dazu, dass der Zugang zu Hepatitis-C-Therapien erschwert sein kann. Außerdem findet das Thema Gesundheit neben anderen Themen oft wenig Beachtung bei den Suchterkrankten selbst.

Aber auch unklare Versorgungsstrukturen können eine Hürde darstellen. Um die Versorgungssituation von (ehemals) Suchterkrankten nachhaltig zu verbessern, müssen viele Akteure an einem Strang ziehen.

Hier setzt das Konzept der PLUS-Gesundheitsinitiative Hepatitis C an: Regionale Akteure werden zusammengebracht, um gemeinsam einen Aktionsplan zur Verbesserung der Versorgungssituation von (ehemals) Suchterkrankten mit Fokus auf Hepatitis C zu entwickeln und umzusetzen.

Die Struktur von PLUS

Die PLUS-Initiative – kurz für PLUS-Gesundheitsinitiative Hepatitis C – ist eine bundesweite Dachmarke mit der Zielsetzung, die Versorgung von (ehemals) Suchterkrankten mit Fokus auf Hepatitis C zu verbessern. Sie vereint regionale PLUS-Projekte in verschiedenen Städten, bei denen Projektpartner vor Ort die Maßnahmen nach ihrem individuellen Bedarf gestalten.

Diese PLUS-Angebote können von anderen Projekten übernommen oder komplett neu entwickelt werden – je nachdem, welchen Bedarf die Projektpartner in der Region sehen.

Eine Übersicht der bisher entwickelten PLUS-Angebote finden Sie hier.

Visualisierung Plus Struktur

Die Basis von PLUS

Etwa 270.0001 Menschen in Deutschland sind mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert

Ein großer Teil ist jedoch nicht diagnostiziert. Am häufigsten wird Hepatitis C in Deutschland heute durch intravenösen Drogenkonsum übertragen. Etwa 80 % der Hepatitis-C-Neudiagnosen mit bekanntem Übertragungsweg sind auf intravenösen Drogenkonsum zurückzuführen.2 Die Erkrankung ist heute in nahezu allen Fällen schnell und einfach heilbar.

Hepatitis C ist eine Infektionskrankheit, ausgelöst durch das Hepatitis-C-Virus (HCV), die zur Entzündung der Leber führt. Nicht adäquat versorgt kann sie unter anderem zu Leberkrebs und sogar zum Tod führen. Aktuell gibt es in Deutschland wenige Unterstützungsangebote für Menschen mit einer langjährigen Suchterkrankung und Hepatitis C.

1 Berechnet nach: Robert Koch-Institut (RKI). Epidemiologisches Bulletin Nr. 30, 27. Juli 2017

2 Robert Koch-Institut (RKI). Epidemiologisches Bulletin Nr. 30, 25. Juli 2019; 281

Gesundheitliche Chancengleichheit: Substitution und Hepatitis-C-Therapie

Die Chance auf eine innovative Hepatitis-C-Therapie ist für Substituierte geringer als die der deutschen Allgemeinbevölkerung. Optimalerweise erhalten Menschen mit aktivem Drogengebrauch neben der medizinischen Versorgung weitere, aufeinander abgestimmte Hilfsangebote.

Disziplinübergreifende und vernetzte Versorgung von Suchterkrankten mit Hepatitis C

Die PLUS-Initiative zielt auf die Versorgungsverbesserung von (ehemals) Suchterkrankten, Substituierten und Abstinenzwilligen mit Hepatitis C ab. Dafür entstehen regionale PLUS-Projekte, deren Partner gemeinschaftlich an Lösungen zur Verbesserung der sozialen und gesundheitlichen Lage arbeiten. Gleichzeitig fördert die PLUS-Initiative die Vernetzung bestehender Einrichtungen und stärkt die öffentliche Aufmerksamkeit für die Themen Sucht sowie Hepatitis C.

Erste Erfahrungen zeigen, dass sich die Versorgungssituation von (ehemals) Suchterkrankten mit Hepatitis C durch die PLUS-Angebote in mehreren Regionen verbessert hat.

Einbindung der Erkrankten in die Entwicklung des regionalen PLUS-Projekts

In einem regionalen PLUS-Projekt geht es um Hepatitis C und den Zugang zu einer Therapie, um Gesundheit, Lebensqualität und die Stabilisierung der Erkrankten (z.B. durch psychosoziale und Tagesstruktur-Angebote oder Angebote zur Stärkung der Ernährungskompetenz). Die aufeinander abgestimmten PLUS-Angebote für ein ganzheitliches Versorgungsangebot werden in den PLUS-Regionen idealerweise zusammen mit Suchterkrankten selbst entwickelt. Durch die Einbindung können diese im Laufe des PLUS-Projekts mehr Verantwortung übernehmen und zu PLUS-Botschaftern werden.

PLUS-Teilnehmer berichten

Es ist ein wunderschönes Gefühl, an den Erfolgserlebnissen der Klienten Teil zu haben.
eine Honorarkraft des PLUS-Projekts
aus Stuttgart
Die PLUS-Angebote waren für mich eine Chance, den Alltag neu zu gestalten.
ein Drogenkonsument
aus Stuttgart
PLUS hat mir geholfen, mit mir, mit anderen und mit der Familie wieder besser klar zu kommen.
ein Drogenkonsument
aus Stuttgart

Hepatitis C und PLUS

Hepatitis C, Sucht und Handlungsbedarf

HEPATITIS-C-VIRUS: möglicher Auslöser für Leberzirrhose, Leberkrebs und Leberversagen

Hepatitis C ist eine Erkrankung der Leber. Sie wird durch das Hepatitis-C-Virus (HCV) ausgelöst. Oft leben die Erkrankten über Jahre mit der Infektion, ohne es zu wissen. In den ersten sechs Monaten kann die Erkrankung in rund 20 bis 40 %1 aller Fälle von selbst ausheilen. In der Gruppe der Drogenkonsumenten liegt die Rate im unteren Bereich, nämlich bei 25 %.2 Geschieht das nicht, ist bei der Mehrzahl der Fälle eine Spontanheilung der Leber nach sechs Monaten nicht mehr zu erwarten. Die Entzündung der Leber schreitet oft unbemerkt über einen längeren Zeitraum voran. Die chronische Erkrankung kann zu einer Leberschädigung bis hin zur Leberzirrhose, Leberkrebs und schließlich zum Tod führen. Dabei ist die Erkrankung heute in nahezu allen Fällen schnell und einfach heilbar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Bundesregierung haben deshalb ein Ziel formuliert: Die Elimination von Hepatitis C bis zum Jahr 2030.

1 Sarrazin C, Zimmermann T, Berg T et al. Zeitschrift für Gastroenterologie. 2018;56(07):761.

2 Sarrazin C, Zimmermann T, Berg T et al. Zeitschrift für Gastroenterologie. 2018;56(07):768.

HEPATITIS C
IN DEUTSCHLAND

60 bis 80%1

der Infektionen entwickeln sich zu einer chronischen Hepatitis C

1.3002

Menschen sterben pro Jahr an Leberversagen als Folge einer chronischen Hepatitis-C-Infektion

ca. 270.0003

Erkrankte mit chronischer Hepatitis C gibt es schätzungsweise in Deutschland

1 Abgeleitet aus: Sarrazin C, Zimmermann T et al. Zeitschrift für Gastroenterologie. 2018;56(07):761.

2 Robert Koch-Institut (RKI). GBE-Themenheft Hepatitis C, 2016; S. 13.

3 Berechnet nach: Robert Koch-Institut (RKI). Epidemiologisches Bulletin Nr. 30, 27. Juli 2017.

Sucht und das
Hepatitis-C-Virus

80%1

der Hepatitis-C-Neudiagnosen mit bekanntem Übertragungsweg sind in Deutschland auf intravenösen Drogenkonsum zurückzuführen.

Eine Ansteckung mit dem Virus erfolgt über direkten Blut-zu-Blut-Kontakt. Menschen mit intravenösem Drogenkonsum bilden eine Hochrisikogruppe für eine HCV-Infektion.

79.4002

Suchterkrankte erhalten derzeit eine Substitutionsbehandlung in Deutschland.

Die Zahl der Drogenkonsumenten in Deutschland ist schwer zu schätzen. Etwa 166.0003 Menschen gelten in Deutschland als heroinabhängig. Ihr Leben prägt häufig ein komplexes Geflecht aus psychischen, sozialen und gesundheitlichen Problemen: Vielen fehlt eine eigene Wohnung und sie haben kaum ausreichende Mittel zur Verfügung, um ihren Alltag zu bewältigen. Häufig werden soziale Kontakte lediglich zu Menschen innerhalb der Drogenszene und zu Akteuren des Hilfesystems gehalten.

44%4

der Suchterkrankten in Deutschland sind mit Hepatitis C infiziert

10%5

der Hepatitis-C-therapierten Patienten sind auch Substitutionspatienten

1 Robert Koch-Institut (RKI). Epidemiologisches Bulletin Nr. 30, 25. Juli 2019: 281.

2 Bundesopiumstelle: Bericht zum Substitutionsregister, Januar 2019.

3 Kraus L et al. Dtsch Arztebl Int 2019;116:137–43.

4 Robert Koch-Institut (RKI). DRUCK-Studie, Berlin 2016; 85.

5 Abgeleitet aus: Christensen S, Buggisch P, Mauss S et al. Addiction. 2018;113(5):868-882.

Handlungsbedarf im Bereich Hepatitis C und Sucht

Chance auf eine Hepatitis-C-Therapie für Suchterkrankte erhöhen

Der Zugang zu innovativen Hepatitis-C-Therapien kann für Suchterkrankte mit Barrieren verbunden sein:  Für Menschen mit Suchterkrankung kann es oft herausfordernd sein, psychische, soziale und gesundheitliche Bedürfnisse in Einklang zu bringen. Vor diesem Hintergrund kommt das Thema „Gesundheit“ häufig zu kurz. Gleichzeitig fehlt es an Wissen und Aufklärung über Hepatitis C, was zu Angst vor Nebenwirkungen, aber auch der Behandlung selbst führt. Außerdem sind sie oftmals Stigmatisierung und Diskriminierung in vielen Lebensbereichen ausgesetzt.1,2

1 Vgl. Grebely J et al. International Journal of Drug Policy. 2019;72:1-10.

2 Vgl. Høj S et al. International Journal of Drug Policy. 2019;72:11-23.

Lösungsansatz der PLUS-Initiative

Initiierung eines ganzheitlichen Präventions- und Unterstützungsangebots für mehr gesundheitliche Chancengleichheit

Hepatitis C ist heutzutage sehr gut behandelbar und in den meisten Fällen heilbar. Substitutionspatienten und (ehemalige) Drogengebrauchende können durch innovative Hepatitis-C-Therapien eine vergleichbare Heilungsrate wie Patienten ohne Suchterkrankung erzielen.1. 2

Die Versorgungssituation für Suchterkrankte kann durch niedrigschwellige Ansätze und eine stärkere Vernetzung lokaler Suchthilfe-Akteure verbessert werden. Ein ganzheitliches Präventions- und Unterstützungsangebot kann Barrieren abbauen – für mehr gesundheitliche Chancengleichheit.3, 4

1 Christensen S, Buggisch P, Mauss S et al. Addiction. 2018;113(5):868-882.

2 Hajarizadeh B et al. The Lancet Gastroenterology & Hepatology. 2018;3(11):754-767.

3 Vgl. Grebely J et al. International Journal of Drug Policy. 2019;72:1-10.

4 Vgl. Høj S et al. International Journal of Drug Policy. 2019;72:11-23.

Zielsetzung der
PLUS-Initiative

die Bekämpfung von Hepatitis C

Die PLUS-Initiative ist ein innovativer Ansatz in der Suchthilfe zur Bekämpfung von Hepatitis C.

Mit regionalen PLUS-Projekten wird die gesundheitliche Chancengleichheit gefördert.

Folgende Ziele sind damit verbunden:

Gesellschaftliche Teilhabe der Erkrankten für mehr soziale Lebensqualität

Ganzheitliche, alltagsintegrierte Unterstützungsangebote zusätzlich zur Basisversorgung

Psychische, physische und soziale Stabilisierung von Erkrankten sowie gesteigerte Erfahrung des Selbstwerts

Förderung der Selbstständigkeit der Erkrankten

Aufbau von Gesundheitswissen und dadurch eines gesteigerten Gesundheitsbewusstseins (unter anderem in Bezug auf Hepatitis C)

Aufbau eines interdisziplinären Versorgungsnetzwerks und Zugang zu diesem

Erfahrungsaustausch mit anderen Erkrankten im Sinne der Selbsthilfe

Vernetzung und Austausch der Partner sowie relevanter und sektorübergreifender Akteure

Grundsätze der PLUS-Initiative

das „Mehr“ in der Versorgung

Partizipation

Die PLUS-Initiative verfolgt einen partizipativen Versorgungsansatz: Gemeinsame (Weiter-) Entwicklung der regionalen PLUS-Angebote mit den Erkrankten, um Bedürfnisse gezielt zu adressieren und sie gleichzeitig zu motivieren.

Zum Peer-PLUS-Peer-Ansatz

Nachhaltige Verbesserung

Die Partner der regionalen PLUS-Projekte streben eine Verstetigung der Vernetzung und der PLUS-Angebote an. Sie sind überzeugt: nur durch ein langfristig ausgelegtes Versorgungsangebot können Versorgungsqualität und Lebensqualität nachhaltig verbessert werden.

Versorgungsansatz

Die PLUS-Initiative hat das Ziel, Drogenkonsumenten, Substituierte und Abstinenzwillige zu erreichen und deren regionale Gesundheitsversorgung durch eine Betrachtung der gesamten Lebensumstände nachhaltig und strukturell zu verbessern. Der Fokus liegt dabei auf dem Thema Hepatitis C.

Enge und abgestimmte Zusammenarbeit

Die Vernetzung der Partner spielt innerhalb der PLUS-Initiative eine große Rolle. Durch den Zusammenschluss verschiedener Akteure können umfassende Expertise und sektorspezifische Aspekte in ein PLUS-Projekt integriert werden. Ein regionales PLUS-Projekt durch lediglich eine Institution ist daher nicht zielführend.

Evaluation der PLUS-Initiative: ein großer Erfolg

Erfolgreiche Beispiele zur Verbesserung der Versorgungssituation Suchterkrankter mit Hepatitis C

Verbesserung der Lebenssituation als Basis für ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein

Partizipativer Ansatz

Mit PLUS gegen Hepatitis C

Hier können Sie die Evaluationsergebnisse nachlesen:

PLUS-Angebote

BAUSTEINE FÜR GANZHEITLICHE REGIONALE PLUS-PROJEKTE

Kompetenztraining und Schulungen

Kompetenztrainings und Schulungen dienen der Aneignung von Fähigkeiten und Wissen. Sie vereinfachen den Suchterkrankten die Bewältigung alltäglicher Aufgaben oder geben Sicherheit im Umgang mit den im Kontext einer Drogensucht relevanten Themen. Schulungen für Betreuer sind in diesem Rahmen ebenfalls eine wichtige Komponente, um den Suchterkrankten beispielsweise psychosoziale Unterstützung zu ermöglichen.

Information und Aufklärung zu Hepatitis C

Die Informations- und Aufklärungsmaterialien zu Hepatitis C wurden in Zusammenarbeit mit Erkrankten erstellt, um deren speziellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Durch eine verständliche Aufbereitung relevanter Informationen stellen die Materialien unterstützende Instrumente in Gesprächen rund um Hepatitis C und Sucht dar.

Struktur und Stabilität

Zur Stärkung der Alltagsstruktur werden freizeitgestaltende Themen im Zusammenhang mit anderen Aspekten wie Verdrängung und Nachlässigkeit aufgegriffen.So können Suchtkranke wieder zu einem besseren Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl finden.

Beratung und Versorgung

Die Beratungsthemen im Suchtbereich sind vielfältig und umfassen unter anderem

  • alltagsrelevante Themen und Problemstellungen der Suchterkrankten, beispielsweise die Berücksichtigung von Substitution bei der Arbeitssuche oder Fragen zur Ernährung
  • psychische und gesellschaftliche Probleme

Strukturell wird eine Anbindung des Suchtsettings an die Versorgung angestrebt, um den Zugang zu HCV- oder HIV-Therapien zu optimieren.

Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung

Vernetzung ist ein wesentliches Element für die Unterstützung von Suchterkrankten. Beispiele sind

  • Anbindung des Suchtsettings an die Substitution, beispielsweise der Drogenhilfe an Substitutionspraxen/-institutionen
  • Kooperation mit dem Wohnungsamt, beispielsweise für ein „Leben nach der Haft“
  • Kooperation mit Jobcentern, beispielsweise zur Gestaltung von passgenauen Arbeitsangeboten für Substituierte

Um die Wirkung der PLUS-Initiative und das Überführen der regionalen Projekte in die Regelversorgung zu sichern, bedarf es einer öffentlichen und politischen Wahrnehmung der Problematik wie auch dem Mehrwert dieser Angebote. Insbesondere Politik und kommunale Entscheidungsträger nehmen bei diesen Entscheidungen zentrale Rollen ein, und es ist das Ziel, diese einzubeziehen.

THEMEN DER PLUS-ANGEBOTE

Visualisierung der Themen der Plusarbeit als Treppe

Erste Erfahrungen in den PLUS-Regionen deuten darauf hin, dass diese Art der Zusammenarbeit die Vernetzung verbessert und das Wissen zu Hepatitis C erhöht. Dies weist insgesamt auf eine Versorgungsverbesserung für (ehemals) Suchterkrankte hin. Der Erfolg scheint hier ein ausgewogener Mix an PLUS-Angeboten zu sein, der regionalspezifisch angepasst werden sollte.

Im Rahmen eines PLUS-Projekts sollten die Angebote so ausgewählt werden, dass sie zu bestehenden Angeboten der Region passen und sich ergänzen.

Gründung der PLUS-Initiative

Gemeinsam gegen Hepatitis C

ENTSTEHUNG DER PLUS-INITIATIVE

Um (ehemals) Suchterkrankte in den häufig komplexen Problemsituationen nachhaltig zu unterstützen und die Lebensqualität zu steigern, ist es notwendig, dass Akteure aus dem Gesundheits- und Sozialsystem zusammenarbeiten. Dies erkannten 2014 die Initiatoren der PLUS-Initiative. Der Caritasverband für Stuttgart e.V., die Deutsche Leberhilfe e.V. und AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG gründeten das Aktionsbündnis PLUS (Stuttgarter Name des dortigen regionalen PLUS-Projektes) und riefen damit die PLUS-Initiative ins Leben.

Ziel war und ist es, gemeinsam die Versorgung und soziale Lebenssituation von suchterkrankten Menschen einschließlich Substitutionspatienten und Abstinenzwilligen – insbesondere im Hinblick auf Hepatitis C – zu verbessern.

Das Aktionsbündnis PLUS ist noch heute in Stuttgart aktiv und unterstützt weitere Städte bei der Umsetzung von regionalen PLUS-Projekten deutschlandweit. AbbVie begleitet als Projektpartner den Aufbau regionaler PLUS-Projekte.

DIE INITIATOREN DER PLUS-INITIATIVE

Unterstützung des


Aktionsbündnisses PLUS


durch die Schirmherrin


Karin Maag, MdB


Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag

Caritasverband

e.V.

betreut im Rahmen seines Substitutionsprogramms rund 270 Menschen.

PLUS: Starke Kooperation und ineinandergreifende Ressourcen durch die einmalige Partnerkonstellation.

Zur Webseite

Deutsche Leberhilfe

e.V.

unterstützt Erkrankte, deren soziales Umfeld und Sozialbetreuer bei der Aufklärung zu Erkrankungen.

PLUS: Mehr Menschen erreichen und sensibilisieren durch spezifisch aufbereitetes Informationsmaterial.

Zur Webseite

ABBVIE DEUTSCHLAND

GmbH & Co. KG

ist ein forschendes BioPharma-Unternehmen mit Hauptsitz in Wiesbaden.

PLUS: Verbesserung der Lebenssituation und Versorgung von Suchterkrankten mit Hepatitis C.

Zur Webseite

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